Nachfolge

Nachfolge

Beitragvon BOB » 03.02.2017, 18:01

An sich sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass ein Christ tut, was sein Herr und Gott ihm befiehlt. Wenn der Herr sagt: «Tu das!», dann sollte man es tun; wenn Er sagt: «Lass das!», dann sollte man es lassen; wenn Er sagt: «Geh dorthin!», dann sollte man dorthin gehen; und wenn Er sagt: «Bleib!», dann sollte man bleiben. Leider gilt aber heute in Bezug auf Christen grösstenteils dasselbe wie in Bezug auf Menschen, die keine Christen sind: «6 Die meisten Menschen rufen ein jeder seine Güte aus; aber einen zuverlässigen Mann, wer wird ihn finden?» (Spr 20, 6). Ja, wo findet man noch einen Christen, der Seinem Herrn und Meister einfach bedingungslos in allem gehorcht? Solche Menschen sind so selten geworden, dass wir unsere Glaubensgeschwister regelmässig aufrufen müssen, ihr Leben im Gehorsam zu leben. Nicht selten nennt man solche Ermahnungen Aufrufe zur Nachfolge. Aber zu tun, was der Herr befiehlt, ist keine Nachfolge, sondern eben nichts weiter als – an sich selbstverständlicher – Gehorsam. Nachfolge ist viel mehr als Gehorsam:

Am Ende seiner Zeit als Prophet Israels führte Elia Elisa in den Dienst ein, damit dieser ihn dann ablösen könne. Als die Zeit des Weggehens Elias gekommen war, befanden sich die beiden Propheten in Gilgal, einer Stadt ganz in der Nähe des Jordans. Elia, der nun wusste, dass der Moment gekommen war, «sprach zu Elisa: Bleib doch hier; denn der Herr hat mich bis nach Bethel gesandt» (2. Kön 2, 2), einer Stadt die etwa 25 Kilometer und damit einen Fussmarsch von etwa fünf Stunden von Gilgal entfernt lag. Elisa wusste, dass die Zeit gekommen war (2. Kön 2, 3. 5), und vielleicht wusste er sogar, dass Elia über den Jordan gehen musste, bevor er im Sturmwind auffahren konnte, dass der Marsch nach Bethel Elia also genau in die falsche Richtung führen musste. Wie auch immer, Elia gab Elisa die klare Erlaubnis, den langen Fussmarsch nicht auf sich nehmen zu müssen: «Bleib doch hier»! Hätte Elisa nur das getan, wozu ihn Elia jeweils anwies, wäre er in Gilgal geblieben, denn Elia hatte ihm ja die ausdrückliche Erlaubnis dafür gegeben.

Wenn der Herr uns sagt: «Komm mit!», dann ist es eine Frage des Gehorsams, ob wir mitgehen oder bleiben, wo wir sind. Gehen wir mit, sind wir gehorsam; bleiben wir, sind wir ungehorsam. Wenn aber der Herr uns sagt: «Ich gehe; bleib doch hier!», dann ist es keine Frage des Gehorsams, ob wir mitgehen oder bleiben, wo wir sind. Gehen wir mit, sind wir gehorsam; bleiben wir, sind wir ebenfalls gehorsam. Wie Elisa kein Gebot Elias missachtet hätte, wenn er in Gilgal geblieben wäre, missachten wir kein Gebot des Herrn, wenn wir auf Seine Erlaubnis hin bleiben, wo wir sind, während Er weggeht. Nur sind wir dann keine wahren Nachfolger, weil wir Ihm ja gerade nicht nachfolgen. Wer sich sagt: «Solange der Herr mir keinen Befehl gibt, bleibe ich, wo ich bin», verhält sich wie ein Knecht, der von Natur aus faul ist, aber alles tut, was man ihm gebietet (und wofür man ihn bezahlt). Eine solche Haltung ist nicht völlig verkehrt, denn wir sind (unnütze) Knechte des Herrn; von uns werden unbedingter Gehorsam und Fleiss verlangt (Lk 17, 10). Doch der Herr Jesus hat auch gesagt: «15 Ich nenne euch nicht mehr Knechte, denn der Knecht weiss nicht, was sein Herr tut; euch aber habe ich Freunde genannt, weil ich alles, was ich von meinem Vater gehört habe, euch kundgetan habe» (Joh 15, 15). Wir sind so viel mehr als Knechte Gottes! Er hat uns Seine Freunde genannt, uns alles kundgetan, was Er von Seinem – unserem! – Vater gehört hat, und uns immer wieder gezeigt, wie wichtig Ihm die Gemeinschaft mit uns ist. Ein Knecht und sein Meister sind nur durch ihr Arbeitsverhältnis miteinander verbunden. Zwischen zwei Freunden besteht aber ein viel stärkeres Band: Sie kennen und lieben einander; sie suchen die Gemeinschaft zueinander. Wer sich also sagt: «Solange der Herr mir keinen Befehl gibt, bleibe ich, wo ich bin», missachtet die Freundschaft des Herrn und ist ganz gewiss kein Nachfolger.

Elisas Verhalten gegenüber Elia zeigt den Unterschied zwischen einem blossen Knecht und einem Nachfolger sehr schön auf: Für ihn kam es keineswegs in Frage, von seinem Meister getrennt zu werden: «So wahr der Herr lebt und deine Seele lebt, wenn ich dich verlasse!» (2. Kön 2, 2). Die Wendung «wenn ich … !» ist ein Kraftausdruck, die erste Hälfte eines (bedingten) Fluches. Man kann sich hinter die Antwort Elisas also denken: «…, dann soll ich verflucht sein!» Stärker hätte Elisa folglich nicht zum Ausdruck bringen können, dass er Elia überall hin gefolgt wäre. So gingen die beiden zusammen nach Bethel. Wenn wir daran denken, welchen Segen die beiden Jünger erfahren haben, die nach dem Tod (und – was sie nicht wussten – nach der Auferstehung) Jesu nach Emmaus gingen, das nur gut elf Kilometer von Jerusalem (also nur halb so weit wie Bethel von Gilgal) entfernt lag (vgl. Lk 24, 13), dann dürfen wir sicher sein, dass der lange Fussmarsch von Gilgal nach Bethel nicht nur beschwerlich, sondern auch reich gesegnet war. Was mochte Elisa in dieser Zeit alles von Elia, dem ausgezeichneten Knecht des Herrn, gehört haben?
Liebe Grüße, BOB
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Re: Nachfolge

Beitragvon BOB » 03.02.2017, 18:01

Doch in Bethel wiederholte sich die Geschichte: Elia teilte Elisa mit, dass er nach Jericho gehen müsse, das praktisch unmittelbar neben Bethel gelegen war. Mit anderen Worten sagte Elia sinngemäss: «Ich werde nun gleich den ganzen Weg wieder zurück gehen.» Nun hätte sich Elisa sagen können, er sei vergeblich fünf Stunden marschiert, nur um gleich nochmals fünf Stunden vergeblich weiter zu marschieren. Wie willkommen muss das Angebot Elias da gewirkt haben: «Elisa, bleib doch hier; denn der Herr hat mich nach Jericho gesandt» (2. Kön 2, 4). Nun war Elisa ja bereits mehrere Extrameilen gegangen; er hatte Elia nicht nur gehorcht, sondern war ihm auch nachgefolgt. «Aber er sprach: So wahr der Herr lebt und deine Seele lebt, wenn ich dich verlasse!» (2. Kön 2, 4). Wie sinnlos die Märsche auch gewirkt haben müssen, nichts konnte Elisa davon abbringen, Elia nachzufolgen, bei ihm zu bleiben. Dies ist die Haltung eines echten Nachfolgers!

Nach einem Fussmarsch von insgesamt zehn Stunden befanden sich die beiden fast am selben Ort wie zu Beginn ihres ersten Marsches. Zum dritten Mal sprach nun Elia: «Bleib doch hier; denn der Herr hat mich an den Jordan gesandt» (2. Kön 2, 6). Und zum dritten Mal antwortete Elisa: «So wahr der Herr lebt und deine Seele lebt, wenn ich dich verlasse!» (2. Kön 2, 6) Das lässt uns unweigerlich an das erste vertrauliche Gespräch denken, das der Herr Jesus mit Petrus geführt hat, nachdem dieser Ihn dreimal verleugnet hatte. Dreimal fragte der Herr Seinen Jünger: «Simon, Sohn Jonas, liebst du mich?» (Joh 21, 15. 16. 17) und dreimal antwortete Petrus: «Ja, Herr, du weisst, dass ich dich lieb habe» (Joh 21, 15. 16. 17). Beim dritten Mal (die Fragen und die Antworten waren jeweils nicht ganz identisch, worin eine Belehrung für den aufmerksamen Leser liegt) wurde Petrus verständlicherweise traurig. Doch sein dreifacher Fehler musste dreifach wieder gut gemacht werden; seine Liebe zum Herrn Jesus, die wenige Jahre später bis aufs Blut geprüft werden würde (Joh 21, 18. 19), musste dreifach bekräftigt werden. Genauso musste auch die Bereitschaft Elisas zur Nachfolge dreifach geprüft werden. Wie schön ist es zu lesen, dass Petrus und Elisa diese dreifache Probe bestanden haben! Und wie freut es das Herz des Lesers, wenn es heisst: «Und so gingen sie beide miteinander» (2. Kön 2, 6)! Denn was gibt es für einen Christen Schöneres als die vertraute, ungetrübte Gemeinschaft mit Seinem Erlöser, Seinem Herrn und Gott, Dem, der sich für ihn völlig aufgegeben hat?

Doch auch Lot war einst freiwillig Abraham nachgefolgt (1. Mose 12, 1–4), aber kaum hatte er sich zwischen der weiteren Nachfolge und einem verlockenden Angebot entscheiden müssen, war er abgefallen (1. Mose 13, 7–13). Lot war also ebenfalls ein Nachfolger gewesen, aber kein bewährter. Sein Ende ist ein ewiges Mahnmal. Selbst unter Nachfolgern gibt es also (deutliche) Unterschiede.

Der bewährte Nachfolger Petrus erhielt den Auftrag, die Herde des Herrn zu weiden (Joh 21, 15–17); der bewährte Nachfolger Elisa durfte zusammen mit Elia (trockenen Fusses) den Jordan überschreiten und diesen bis zum letzten Schritt begleiten, während «fünfzig Mann von den Söhnen der Propheten hin gingen und gegenüber von fern standen» (2. Kön 2, 7). Auch wenn jene Männer Söhne der Propheten und damit Gottesmänner waren, blieb ihnen das Vorrecht, den Weg mit Elia bis zum Schluss zu gehen, bis ans Ende in seiner Nähe bleiben zu dürfen, verwehrt. Nur Elisa, der treue, bewährte Nachfolger durfte bis über den Jordan mitgehen. Aber mehr noch: Ganz am Schluss durfte er sich etwas erbeten: «Erbitte, was ich dir tun soll, ehe ich von dir genommen werde» (2. Kön 2, 9). Der Segen wird nicht ausbleiben, wenn wir dem Herrn nachfolgen, denn Er gibt gerne und reichlich; Er ist ein Belohner (Hebr 11, 6). Das wird von den Vertretern des sogenannten Wohlstandsevangeliums zwar falsch verstanden. Diese behaupten, wer Gott nachfolge, werde in diesem Leben hier stets gesund, vermögend und einflussreich sein. Sie verkennen dabei, dass der volle Segen sich erst im kommenden Zeitalter entfalten wird, dass wir zuerst mitleiden müssen, bevor wir mitverherrlicht werden können (Röm 8, 17; 2. Kor 4, 17; 2. Tim 2, 3; 1. Petr 4, 13). Israel kam nicht direkt von Ägypten nach Kanaan, sondern musste zuerst durch die Wüste wandern. Das Volk musste zuerst auf die Entfaltung des Segens vorbereitet werden, wie auch wir unsere Seelen verwandeln (erretten) lassen müssen (1. Petr 1, 9). Und wenn der Herr Jesus, so unglaublich es auch klingt, durch Leiden Gehorsam lernen musste (Hebr 5, 8), weshalb sollten wir dann ohne jeden Lernprozess direkt in den vollen Segen eingeführt werden? Sind die Knechte etwa höher als der Meister? Und doch dürfen wir jetzt schon gesegnet sein! Äusserlich werden wir vielleicht ein Leben in Mangel und Not führen, aber die kostbare Gemeinschaft mit dem Herrn wird uns nicht nur Nöte aller Art ertragen lassen, sondern uns mit einem inneren Frieden und Glück erfüllen, die uns reich für das entschädigen, was wir im Leib allenfalls erdulden müssen. Diesen Segen dürfen wir jetzt schon in Anspruch nehmen. Elisa hatte ein volles Verständnis dieser Zusammenhänge, denn er erbat sich von Elia nichts, das ihm sein Leben in Israel erleichtert hätte, sondern im Gegenteil etwas, von dem Elia sagen musste: «Du hast Schweres erbeten!» (2. Kön 2, 10), nämlich: «So möge mir doch ein zweifaches Teil von deinem Geist werden!» (2. Kön 2, 9). Elisa wusste, dass er nicht mehr weiter mit Elia vorangehen konnte, dass Elia von ihm weggenommen würde. Trotzdem wollte er den Weg der Nachfolge, den er schon beschritten hatte, fortsetzen, den Dienst Elias im Geiste Elias weiterführen. Auch mit seiner Bitte hat er also den wahren Geist eines Nachfolgers gezeigt.

Wir sollten es Elisa gleich tun. Unser Herr ist in den Himmel aufgefahren und hat sich zur Rechten des Vaters gesetzt. Dahin können wir Ihm jetzt nicht folgen. Wir müssen hier unten bleiben. Es verhält sich mit uns wie mit jenem befreiten Besessenen im Gebiet der Gadarener, der den Herrn bat, bei Ihm sein zu dürfen (Mk 5, 18): Diese Bitte wird uns nicht erfüllt, denn zuerst müssen wir den von Ihm begonnenen Dienst hier weiterführen: «19 Und er liess es ihm nicht zu, sondern spricht zu ihm: Geh hin in dein Haus zu den Deinen und verkünde ihnen, wie viel der Herr an dir getan und wie er sich deiner erbarmt hat» (Mk 5, 19). Mögen wir doch so eifrig wie jener Gadarener sein, der nicht nur in seinem Haus den herrlichen Namen des Herrn verkündet hat, sondern hingegangen ist und angefangen hat, « in der Dekapolis bekannt zu machen, wie viel Jesus an ihm getan hatte» (Mk 5, 20)! Mögen wir echte, bewährte Nachfolger und Diener der Gnade sein, wie es Elisa war! Amen.
Liebe Grüße, BOB
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Re: Nachfolge

Beitragvon BOB » 03.02.2017, 18:02

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